Begegnung mit Wetekamp Der Politiker Der Naturschützer Der Pädagoge externe Links

Wilhelm Wetekamp (1859-1945) - der Naturschützer

 
Der Lippstädter Wilhelm Wetekamp
handkoloriertes Glasdia
aus den frühen 1930ger Jahren.
Mit freundl. Genehmigung: Stiftung Naturschutzgeschichte,
Königswinter; NL Hähnle
In einem Gespräch mit seiner Heimatzeitung, dem Lippstädter Tageblatt - Der Patriot, erzählte der 70jährige Wilhelm Wetekamp über prägende Begegnungen und Erlebnisse seiner Schulzeit. Sie hatten in ihm offenbar das Interesse am der Erhalt vo Landschaft und Natur geweckt und waren die Wurzeln seines späteren Engagements. Am Textende erfahren wir etwas über seine Persönlichkeit. Der unbekannte Autor formuliert den Wunsch:
Möge er uns in seiner Urwüchsigkeit und Originalität in Kraft und Gesundheit zum Wohle seiner vielseitigen Bestrebungen noch recht lange erhalten bleiben
Frühe Naturschutzaktivisten:

Wetekamp, im Bund Heimatschutz - Ortsgruppe Brandenburg engagiert, (einem der ersten Naturschutzverbände) und Geschäftsführer der Brandenburgischen Provinzialkommission für Naturdenkmalpflege, hatte begonnen, die großen Findlinge in der Mark Brandenburg zu erfassen und zu dokumentieren. Sein Schüler und Mitstreiter Hans Klose (1880–1963) brachte diese Arbeit zum Abschluss und veröffentlichte ihre wichtigsten Ergebnisse. Klose und Wetekamp initiierten die Erfassung besonderer Bäume als Naturdenkmale in Berlin und Brandenburg und die Ausweisung der ersten märkischen Naturschutzgebiete.
Kampf gegen die Waldzerstörung - Berliner Waldschutztag 1909:
Inzwischen gab es zahlreiche Gruppierungen, die sich gegen die Bodenspekulationen und den Verkauf der Waldflächen um Berlin einsetzten. (-) Die damalige Naturschutzbewegung war (-) gesellschaftlich wesentlich breiter verankert, als bislang dargestellt. (-) Der Waldschutzverein und der Ansiedlungsverein standen alsbald an der Spitze der Berliner Waldschutzbewegung. Im Januar 1909 organisierten sie zusammen mit dem Bund der Deutschen Bodenreformer, dem Bureau für Sozialpolitik, der Deutschen Gartenstadt-Gesellschaft, der Landesgruppe Brandenburg des Bundes Heimatschutz und der Zentralkommission der Krankenkassen den 2. Berliner Waldschutztag, an dem über 30 Vereine aus dem breiten Spektrum der Reformbewegungen teilnahmen. Die Teilnehmer des Treffens forderten den Erhalt von Wäldern durch die Stadt Berlin und die Aufstellung eines modernen Generalbebauungsplanes für Groß-Berlin. „Wir müssen durch Übernahme der Wälder seitens der Kommune einen Gemeinbesitz an die Stelle des Einzelbesitzes treten lassen, einen Besitz, der, wenn er auch nicht faktisch vorhanden ist, doch ideal da ist, und wir können keinen schöneren solchen Besitz haben als unsere gemeinsame, schöne Natur, in der wir uns gemeinsam, hoch und niedrig, reich und arm, bewegen können und immer wieder neue Kraft und Freude für das Leben finden können“, fasste Wilhelm Wetekamp für den Bund Heimatschutz Brandenburg die Intentionen der Waldschutzbewegung zusammen.
(-)

[Beitrag aus: Gröning, Gert; Wolschke-Bulmahn, Joachim (Hg.) Naturschutz und Demokratie!? CGL-Studies, Band 3, München, Martin Meidenbauer Verlag, 2006, Regine Auster: Schutz den Wäldern und Seen! (Verhandlungen des Zweiten Berliner Waldschutztages, Berlin 1909, S. 28)]
 

Lippstädter Tageblatt "Der Patriot": Interview mit Wetekamp (8.10.1929)
Wie wir schon mitteilten, hat Oberstudiendirektor i.R. Prof. Dr. Wilhelm Wetekamp am 4. September seinen 70. Geburtstag gefeiert. In Lippstadt 1859 geboren, besuchte er unter Ostendorf die Realschule seiner Heimatstadt. Schon hier empfing er die ersten Anregungen, die ihn später zum Vorkämpfer des preußischen Naturschutzes machten. Der Herr Geheime Studienrat hat dem Schreiber dieser Zeilen darüber folgende Angaben gemacht:
vollständige Abschrift
Wie Wetekamp zum Naturschutz kam
Die erste Anregung inbezug auf die Notwendigkeit eines Naturschutzes habe ich schon in meiner Knabenzeit erhalten. Die Gegend von Lippstadt war damals ein Dorado für Botaniker und Zoologen; im Süden lehmiger, mergeliger und kalkiger Boden, im Norden ein Kranz von Gärten, Wiesen und Kämpen, ausgedehnte Heiden, Moore, Laub- und Kiefernwald. Jetzt ist leider die ursprüngliche Natur bis auf winzige Reste verschwunden; sie ist fast restlos der „Kultur“ gewichen.Als Quartaner machte ich mit meinem Lehrer Dr. Buddeberg häufiger Ausflüge in die Umgebung um in Teichen und Gräben Wassertiere zu sammeln. Als ich dann in den folgenden Jahren sah, wie ein Teich und Graben nach dem anderen ver-schwand, dämmerte in mir der Gedanke auf, da? Dadurch ein großer Teil der Natur und der Lebewesen in ihr vernichtet würde und der naturwissenschaftliche Unterricht darunter leiden müsse. Später machte uns Professor Hermann M ü l l e r, der Erforscher der Beziehungen zwischen Blumen und Insekten, bei der Gelegenheit eines geologischen Ausfluges auf prachtvolle Hornsteinfelsen bei Belecke aufmerksam und sagte dabei : „Wie lange wird es dauern, da liegen sie als Schotter auf der Chaussee“. Wir alle waren erschreckt und erstaunt, dass es erlaubt sein könne, derartige landschaftliche Schönheiten, die der Allgemeinheit gehörten, zu einem solchen Zwecke zu vernichten. Einen weiteren Anstoß erhielt ich als Primaner bei der Gelegenheit einer Rheinreise. Hier sah ich, wie das Siebengebirge derart von allen Seiten her von Steinbrüchen angeknabbert wurde, dass die völlige Zerstörung des Gebirges unvermeidlich erschien. Diese Erfahrungen und weitere auf späteren Reisen ließen mich die Notwendigkeit eines Naturschutzgesetzes immer stärker fühlen. sodann noch eins: Annette von Droste-Hülshoff spricht in ihren Bildern aus Westfalen, als sie die anmutige Bergische Hügellandschaft beschreibt, mit rauer den Gedanken aus, dass alle diese Schönheiten durch Zechen und Schlote zerstört würden. Der Gedanke an die Zerstörung der Natur muss naturnotwendig am ersten da sich einstellen, wo Bergbau und Industrie in raschem Fortschreiten sind. In seinen persönlichen Erinnerungen („Heimatschutz in Brandenburg“ 1919, Nr.2) schreibt Museumsdirektor H. Conwenz: Es war am 28. Dezember 1899, als Wetekamp, damals Oberlehrer in Breslau, und ich, damals Museumsdirektor in Danzig, in Posen zusammensaßen, um gemeinsam die Aufgaben der Naturdenk-malpflege und ihre Förderung staatlicherseits zu erörtern.
Als Mitglied des Abgeordnetenhauses hatte er in der Sitzung am 30. März 1898 bei der dritten Lesung des Haushaltes darauf hingewiesen, dass alljährlich zwar bedeutende Summen für botanische Gärten, d.h. für die Kultur fremder Pflanzenarten sowie für naturwissenschaftliche Museen ausgegeben würden, das aber bisher nichts geschehen sei zur Erhaltung der einheimischen Pflanzen und Tierwelt, zum Schutz der Denkmäler aus der Entwicklungsgeschichte der Natur. Auf diese Anregung, die eine freundliche Aufnahme im Parlament fand, hat Ministerialdirektor Althoff seine wohlwollende Unterstützung zugesagt, und auf seine Veranlassung war am 13. Dezember 1898 in den Räumen des Kultusministeriums zwischen den Vertretern der einschlägigen Ressorts eine Besprechung veranstaltet worden, bei der Wetekamp das einleitende Referat zu halten hatte. Auf Beschluss dieser Versammlung sollte eine Anzahl von wissenschaftlichen Vereinen Universitätslehrern und Schulmännern zur Aeußerung über die Notwendigkeit der Erhaltung von Naturdenkmälern und der staatlichen Unterstützung dieser Bestrebungen aufgefordert werden. Als dann 1906 die staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen eingerichtet worden war, bildete sich in der Mark Brandenburg eine Provinzialkommission für Naturdenkmalpflege unter dem Vorsitz des Oberpräsidenten, und Wetekamp, der inzwischen als Direktor des Werner-Siemens-Realgymnasiums seinen Wohnsitz in BerlinSchöneberg genommen hatte, wurde zu ihrem leitenden Geschäftsführer gewählt. Er bekleidet dieses Ehrenamt auch heute und hat im Laufe der Jahre eine Anzahl Hefte der Mitteilungen der Brandenburgischen Provinzialkommission für Naturdenkmalpflege veröffentlicht, die die Jahresberichte seiner Tätigkeit und mehrere Aufsätze mit Abbildungen enthalten. Seit mehr denn 10 Jahren hat er sich vornehmlich mit der Inventarisierung und Kartierung der erratischen Blöcke in der Mark beschäftigt, worüber er eine größere Veröffentlichung vorbereitet. Neben der Naturdenkmalpflege unterstütz Wetekamp auch die Bestrebungen des Heimatschutzes im Allgemeinen. Als 1907 eine Landesgruppe Brandenburg des Bundes Heimatschutz entstand, trat er neben dem Landesdirektor an deren Spitze und führte gewöhnlich den Vorsitz in der Versammlung. Ebenso war eifrig bemüht, durch Vorträge und Druckschriften die Sache des Natur und Heimatschutzes in der Mark wirksam zu fördern.(-)"
 
weitere Fundstücke aus dem Stadtarchiv Lippstadt:
Zitat14 Zitat12