Der Kormoran - ein reizender Vogel....

Der Kormoran gehört seit Anfang der 90ger Jahre zu den Vogelarten, die am Zachariassee ganzjährig zu beobachten sind. Hier befindet ist auch die einzige stabile Brutkolonie im östlichen Westfalen.

Außerhalb der Brutzeit nutzen die Kormorane das Schutzgebiet als Schlafplatz. Bei beginnender Dämmerung treffen die Vögel nach und nach hier ein und fliegen in die Bäume, die sich dicht über dem Wasser befinden. Der Landeanflug gelingt nicht immer und so kommt es immer wieder für den Beobachter zu amüsanten Situationen: Beim Versuch, auf einem der dünnen Äste zu landen, wird der Vogel, der dort schon sitzt, zu "Absturz" gezwungen. Jetzt müssen beide Kormorane einen neuen Ast finden - wer zuerst kommt, sitzt zuerst... Bis endlich Ruhe in der Kolonie herrscht, vergeht eine ganze Weile....

 

Die Zahl der Kormorane wird von uns als Beitrag zu einem landesweiten Monitoring zu festgelegten Zeiten erfasst. Dabei werden die Kormorane bis in die Dunkelheit hinein auf ihren Schlafbäumen gezählt.

Kormorankolonie

Der NABU-NRW schreibt zum Kormoran auf seiner Homepage:

Verschnaufpause für den Kormoran

Umweltministerium lässt Kormoranverordnung Ende März auslaufen

24. Februar 2010 - Der NABU NRW begrüßt die Entscheidung des Umweltministeriums, die Kormoran-Verordnung und den begleitenden Erlass in NRW auslaufen zu lassen. In einem Brief an die Vorsitzende des Umweltausschusses im Landtag von Ende Januar dieses Jahres kündigte Umweltminister Uhlenberg diese Entscheidung an. Damit dürfen ab 1. April keine Kormorane mehr geschossen werden. „Der NABU freut sich über diesen Richtungswechsel im Umweltministerium und wertet es als einen Schritt hin zu einer zukünftig verantwortungsvolleren Artenschutzpolitik“, erklärt Josef Tumbrinck, Vorsitzender des NABU NRW.

Besonders erfreulich sei aus Sicht des NABU, dass sich das Ministerium damit offensichtlich der Einschätzung des Naturschutzes angeschlossen habe, dass bei sinkenden Bestandeszahlen die massiv angestiegenen Abschusszahlen nicht mehr zu verantworten seien. Mit Auslaufen der Verordnung dürften nun auch keine Ausnahmegenehmigung zum Abschuss von Kormoranen in Naturschutzgebieten mehr erteilt werden. Gegen das Erteilen solcher Ausnahmegenehmigungen hatten die Naturschutzverbände in den vergangenen Jahren mehrfach erfolgreich geklagt.

„Nun ist es wichtig, die Erfassung der Kormoranbestände und deren Auswirkungen auf Fischerei, Aquakultur und heimische Fischbestände weiter fortzusetzen und zu qualifizieren“, so Thumbrinck weiter. Selbstverständlich werde der NABU sich hier engagiert einbringen und ein anstehendes europäisch abgestimmtes Kormoran-Management konstruktiv begleiten"



Dieser interessante Vogel sorgte bereits kurz nach seinem wiedererscheinen in NRW für heftige und emotional geführte Diskussionen. Der NABU bezieht hier eine klare Position: Diese geschützte Vogelart gehört an unsere Gewässer und jede Form der Bejagung lehnen wir ab! Die Fische die der Kormoran zum Leben braucht, sind  Bestandteil des natürlichen Nahrungsnetzes und müssen deshalb Haubentaucher, Graureiher, Eisvogel, Blässralle, Kormoran und allen anderen Mitgliedern dieses Nahrungsnetzes zur Verfügung stehen. Das dabei auch geschützte Fischarten zum Beuteschema gehören, kann nicht überraschen. Aus arten- und tierschutzrechtlichen Gründen kann es aber wohl  nicht sein, dass eine geschützte Art bekämpft wird, um einer anderen geschützten Art zu helfen. Vielmehr ist es sinnvoll und notwendig, endlich wieder naturnahe Lebensbedingungen an den Gewässern zu schaffen.  Es gibt bisher keinen Nachweis darüber, dass ein Räuber seine Beute ausrottet. Das ist schon aus energetischen Gründen nicht vorstellbar: Bei abnehmendem Nahrungsangebot wird das Verhältnis zwischen Jagdaufwand und Erfolg immer ungünstiger. 
Der Jäger (z.B.  Kormoran) wird das Gewässer verlassen und der Fischbestand wird sich erholen.  
 Fakten zum Kormorane in Lippstadt ( NSG- Zachariassee)
Im Winter 1989 wurde an einem Baggersee in Lippstadt der erste Kormoran beobachtet. Er saß an dem heutigen Badesee auf einem Brutfloß. Seit dieser Zeit konnte der bisher im Binnenland seltene Vogel auch die heimische Region wieder besiedeln - ein Erfolg konsequenten Artenschutzes. Es war nicht verwunderlich, dass die Kormorane in den zurückliegenden Jahren den störungsärmsten See, den Zachariassee, als Rastplatz auswählten. Seit 1995 hat sich hier ein Schlafplatz entwickelt. Seit 1999 gibt es hier auch eine Brutkolonie -  sich hier die einzige Brutkolonie im östlichen Westfalen.  
NSG-Zachariassee.Kormorankolonie Bestandsentwicklung NABU NSG-Zachariassee: Kormoran

Jahresmittelwert Schlafplatzgröße zwischen 1992 und 2001

Die aktuellen Zahlen bestätigen, dass die Kormoranbestände sich eingependelt haben. Die Schlafplatzgröße hat in diesem Zeitraum zu keinem Zeitpunkt die Anzahl von 200 Kormoranen überschritten.

Aktuelle Brutbestandsentwicklung im NSG-Zachariassee Die Kurve lässt erkennen, dass die  Koloniegröße sich eingependelt hat. Nach dem sprunghaften Wachstum erfolgt eine Stagnation, ein Gleichgewicht zwischen Individuenzahl, Nahrungsangebot und Lebensraum ist erreicht. Ein Abschuss der Kormorane würde am Bestand nichts ändern, den die Lücken würden sofort durch zuziehende Tiere aufgefüllt. Kormoranbejagung macht objektiv betrachtet keinen Sinn, wenn man nicht wieder die Ausrottung dieses interessanten Vogels anstrebt - und das kann niemand wollen.


 

 Kormoran_Bestandsentwicklung  Kormoran_3
 

Durchschnittl. Bestand Zeitraum 1991 -2008 im Jahresverlauf

Im Jahresverlauf gibt es dabei große Schwankungen. Während der Zugzeit und im Winter ist der Schlafplatz am stärksten besucht. In sehr kalten Wintern, vor allem wenn die Gewässer für mehrere Tage zufrieren, verwaist der Platz auch völlig. Auch nach der Gründung einer Brutkolonie ist der durchschnittliche Bestand langfristig nicht angestiegen - Nahrungsangebot und Individuenzahl sind offensichtlich ausgeglichen. Es leuchtet ein, dass der Abschuss von Kormoranen oder das Vergraulen auf den Nestern unsinnig ist, die Lücken würden sofort wieder geschlossen....

Die Entwicklungskurve in NRW verläuft nach bisherigen Erkenntnissen ähnlich, wie am Zachariassee. Das zeigen die Ergebnisse eines landesweiten Monitorings.

 

Farbringe verraten Herkunft und Alter

Manchmal werden farbberingte Kormorane am Schlafplatz beobachtet. Mit einem guten Spektiv kann man die Markierung ablesen. Über eine Beringungszentrale (z.B.:Vogelwarte Helgoland) oder über Datenbanken im Internet kann man den Vogelberinger kontaktieren. So erfährt dieser etwas über den Verbleib "seines" Vogels und der Beobachter bekommt Informationen über Zugbewegungen, Herkunft und Alter: 
Beobachtung Ring-Code Herkunft / Beringungsjahr 
Dez. 1996 C9 Großbritannien 1997
Dez. 1997 502 Dänemark 1981-83 ?
Dez. 1997   Großbritannien 1991-92 ?
März 1998 C79 Dänemark 1997
Aug. 1998 6 ? N Dänemark 1984-88 ?
Sept. 1998 ?

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Okt. 1999 13E Dänemark 1999
März 1999 7V9 Dänemark 1988
Mai 2001 ANU Tschechien 1999
Sept. 2002, Aug. 2003 73V Dänemark 1994
März 2003 ???

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Nicht immer gelingt es, den Ring eindeutig abzulesen, so bekommt man doch oft wenigstens den Beringungszeitraum und das Herkunftsland heraus. Wenn sie im Kreisgebiet Soest farbberingte Vögel beobachten, oder verendete Vögel mit Metallringen am Fuß finden, benachrichtigen Sie uns bitte!