In Lippstadt blüht dir was...

z.B. das Ruprechtskraut oder Stinkender Stochenschnabel (Geranium robertianum)

Ein Beitrag der Initiative zur Förderung der Lippstädter Pflanzen- und Insektenvielfalt

Dieses heimische Wildkraut kommt in jeder Ecke zurecht: Ob in einer sandigen Fuge zwischen den Terassenplatten, am Gartenrand zwischen Zaun und Wiese, auf vergessenem Bauschutt und Industreibrachen - kurz gesagt: Das Ruprechtskraut ist eine der ersten Blütenpflanzen auf unseren Ruderalflächen. Selbst in dämmrigen Höhleneingängen reckt es sich dank seiner „Gelenkstellen“ ins spärliche Licht und in der prallen Sonne produziert es schützende Blattfarbstoffe in kräftigem Rot. So anpassungsfähig sind heimische Blütenpflanzen eher selten. Solche Überlebenskünstler in unserer heimischen Botanik kommen uns dann oft irgendwie unheimlich vor und schnell werden sie in die Kategorie „Unkraut“ eingeteilt. Das ist nicht fair, denn dieses bescheidene Pflänzchen ist auch noch ausgesprochen hübsch.

Ruprechtskraut

Schönheit auf den zweiten Blick

Das erschließt allerdings erst, wenn man sich die Mühe macht, genauer hinzusehen. Die blühfreudige Pflanze entwickelt vom Frühjahr bis zum Herbst ständig neue zart gestreifte, rosafarbene Blüten. Die Blätter sitzen an stark verzweigten, rötlichen Stängeln und können ihre Farbe je nach Sonneneinstrahlung von grün bis kräftig rot verändern. Dabei wirkt der rote Farbstoff als Sonnenschutzpigment. Die Blüten produzieren reichlich Nektar und werden von kleinen Wildbienen, Schwebfliegen und Hummeln besucht. Zerreibt man die Pflanzenteile, dann wird man sofort auf den anderen Namen des Pflänzchens aufmerksam: „Stinkender Storchenschnabel“, allerdings ist das stark übertrieben. Das Ruprechtskraut ist ein Geraniengewächs und enthält das herb-würzig riechende Öl Geraniol, weshalb es auch als Heilpflanze eine Rolle spielt. Sine die kleinen Blüten verwelkt, dann schließen sich die rotbraunen Kelchblätter und die Samenreife beginnt. Aus dem Fruchtstand ragt eine lange Spitze hervor und erinnert so an den Kopf eines Storchen. Aber jetzt wird es eigentlich richtig spannend, denn „Geranium robertianum“, wie die Botaniker sie nennen, hat noch einen Trick auf Lager, mit dem er seine Samen verbreitet. Schon nach wenigen Tagen ist die Samenreife abgeschlossen, die Samenkapsel neigt sich jetzt wieder der Sonne entgegen und öffnet die zuvor geschlossenen Kelchblätter wieder. Darunter verbergen sich 5 winzige Samen, die mit einer starren Faser an der „Storchenschnabelspitze“ befestigt sind. Wenn jetzt die Sonne richtig warm scheint, dann trocknet diese Faser und spannt sich wie ein kleiner Flitzebogen. Irgendwann wird der Samen am Boden der Kapsel abgerissen und mit unglaublicher Geschwindigkeit bis zu 60 cm weit geschleudert. Und hier wird mit etwas Glück im nächsten Jahr ein neues Pflänzchen wachsen – wenn es nicht vorher beim Reinigen der Terrassenfugen herausgerissen wird.

Stinkt wie Robert...

Der schwedische Naturforscher Carl von Linné (1707 – 1778) hat die bis heute gebräuchliche wissenschaftliche Bezeichnung der Tiere und Pflanzen mit einem „Vor- und Zunamen“ eingeführt. Dabei soll er den Stinkenden Storchenschnabel (Geranium robertianum) nach seinem Mitarbeiter Robert benannt haben, weil dessen angeblich mangelnde Körperhygiene ihn an den Geruch dieser Pflanze erinnert habe.  Ob diese Geschichte stimmt? Wir können es nicht überprüfen, wenn nicht, ist sie immerhin gut erfunden. 

Aber so schlimm ist es auch wieder nicht. Der Duft kommt vom Geraniol, einem etherischen Öl, das alle Geranien produzieren.

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Storchenschnabel

Von der Blüte bis zur Frucht in 3 Minuten...

Unser NABU-Naturfilmer Peter Hoffmann hat ein Video vom Ruprechtskraut mit vielen Zeitrafferbildern: "3Minuten Natur - Solo für den Storchenschnabel"

Video