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  • Lebensraum aus zweiter Hand

    Zwischen fortschreitendem Flächenverbrauch und rasantem Artenrückgang gibt es einen klaren Zusammenhang. Es gibt in unserem dicht besiedelten Land keine naturbelassenen Lebensräume mehr. Es ist deshalb notwendig jede Möglichkeit zu nutzen, Tieren und Pflanzen neue Lebens- und Entwicklungsräume zur Verfügung zu stellen. Der Zachariassee - bis Ende der 80er Jahre noch ein Gebiet industrieller Rohstoffproduktion, ist heute ein solches Gebiet. 

    Die linke Seite der Bildtafel zeigt:

    Das Luftbild zeigt das Schutzgebiet mit seinen Grenzen und den Standort dieses Aussichtspunktes. Es gibt keine Rundwege um den See und im Schutzgebiet! Nur so bleibt die Tierwelt weitgehend ungestört. Der See mit seiner Insel und den Flachufern bildet die Kernzone des 145ha großen Naturschutzgebietes. Hier ist besondere Rücksichtnahme erforderlich. Aber dieser Aussichtspunkt bietet Ihnen die Möglichkeit, das Geschehen am See zu entdecken und zu beobachten. Diese Bildtafeln sollen dabei helfen.

    Kormoran-Kolonie: In den Bäumen links neben der Insel kann man die Nester der Kormorane schon mit bloßem Auge sehen. Ab Ende Februar bis in den Frühsommer ist die Kolonie besetzt. Wenn die Jungvögel geschlüpft sind, herrsch hier ein reges Treiben. Die Nester werden ständig vergrößert und mehrere Jahre benutzt. Außerhalb der Brutsaison werden die Bäume von den Kormoranen das ganze Jahr über als Schlafplatz aufgesucht. Die Zahl der Kormorane erreicht dabei im Herbst ihren Höhepunkt.

    Eisvögel zu beobachten erfordert viel Geduld und Ruhe. Die kleinen, bunten Vögel reagieren auf jede Bewegung an den Fensterklappen mit Flucht. Beobachtungstipp: Im Frühsommer kann man hier vor allem junge Eisvögel entdecken, die selbstständig geworden sind und den Fischfang am Flachufer von einem Ast in Wassernähe üben. (Das Foto haben wir - wie alle anderen auch - hier am See aufgenommen).

    Graureiher sind hier im Naturschutzgebiet ganzjährig anzutreffen. Dabei fressen sie nicht nur Fisch. Oft stehen sie lange Zeiten regungslos auf den Wiesen und beobachten Maulwurfshügel oder Mauselöcher. Die Kleinsäuger gehören ebenso zum Nahrungsspektrum wie Fische. Im Spätsommer kommen die Jungvögel aus entfernt liegenden Brutkolonien an den Zachariassee, dann sieht man die scheuen Vögel besonders häufig.

    Reiherenten und Saatgänse sind über dem Luftbild zu sehen. Während die kleinen Reiherenten das ganze Jahr hier angetroffen werden und zu den Brutvögeln des NSG gehören,. treffen die Saatgänse erst in den kältesten Wintermonaten hier ein. Für sie ist diese nordischen Gänse ist unsere Region der "warme Süden". Sie gehören zu der großen zahl der Wasservögel, die sich im Winterhalbjahr hier versammeln.

    Mauserplatz Zachariassee Das Federkleid der Vögel unterliegt dem Verschleiß und muss regelmäßig gewechselt werden (Mauser). Gänse wechseln ihre Schwungfedern (Arm- und Handschwingen an den Flügeln) alle gleichzeitig. In dieser Zeit ist das Fliegen unmöglich. Es dauert etwa 4 Wochen, bis die neuen Federn nachgewachsen sind. Die Altvögel brüten in dieser Zeit, und verlassen ihren Brutplatz nie sehr weit - die Zeit ist also gut genutzt. Beobachtungstipp: Die jugendlichen Graugänse aus der Region, die noch nicht brüten, versammeln sich im späten Frühjahr hier am See zur gemeinschaftlichen Mauser (Synchronmauser). In dieser Zeit sind hier mehrere Hundert Graugänse zu sehen, die sich auf dem Wasser aufhalten oder auf den nahen Wiesen am See und in der Umgebung grasen. Wenn die Mauserzeit der Graugänse beendet ist, treffen die rot-braun gefärbten Nilgänse zur Mauser ein. Graugans, Nilgans und Kanadagans sind die häufigsten Gänsearten am Zachariassee.

    Der Globus zeigt die wichtigsten Zugwege vieler Watvögel (Limikolen) auf unserer Seite der Erde. In breiter Front ziehen sie zwei mal im Jahr über den Globus. Ihre Brutgebiete liegen hoch im Norden bis Sibirien und Grönland, die Winterquartiere an Küste im Westen und Süden Afrikas. Ein Treffpunkt aller dieser Vögel ist der "Nationalpark Wattenmeer" an der Nordseeküste. Auf diesem Wege nutzen kleinere Gruppen dieser Vögel geeignete Rastplätze als "Trittsteinbiotope". Der Zachariassee ist einer dieser immer seltener werdenden "Tankstellen". Die Bildtafel zeigt einige Watvögel, die am Zachariassee auf dem Herbst- und Frühjahrszug beobachtet werden können. Die Rufe des Grünschenkel sind weithin hörbar: [SOUNDcheck]

     NSG-Zachariassee: Watvögel

    Der Flussregenpfeifer brütet auch bei uns in der Region, normalerweise auf Sand- und Kiesbänken von unbefestigten Flussläufen. Als Ausweichbiotope nutzt er auch gerne die Ufer von Baggerseen, wenn er geeignete Brutplätze findet. Dann sucht er offene Kies und Sandflächen in Wassernähe. Hier legen die Weibchen bis zu 4 Eier in eine kleine Mulde, die von der Umgebung kaum zu unterscheiden sind. Die frisch geschlüpften Jungvögel sind Nestflüchter und sofort auf den Uferflächen unterwegs auf Nahrungssuche. Doch die Gefahren sind groß: Die Gelege werden zertreten, die Altvögel zu oft aufgescheucht, so dass die Jungvögel ungeschützt sind. Hier am Zachariassee sind in guten Jahren 1-2 Paare zu beobachten. [SOUNDcheck] und [SOUNDcheck]

    Zachariassee: Flussregenpfeifer

    Der Bildausschnitt unten zeigt eine Gruppe Sichelstrandläufer auf dem Frühjahrszug, sie sind leicht mit den häufiger hier anzutreffenden Alpenstrandläufern zu verwechseln. Seit einigen Jahren breiten sich die Sumpfbiber (Nutria) an heimischen Gewässern aus. Sie stammen aus Südamerika, wurden in Europa in Pelztierfarmen gehalten, sind dort entwichen oder wurden freigelassen. Es war eine Frage der Zeit, wann sie auch hier am Zachariassee auftauchten. Vom europäischen Biber kann man sie an ihrem im Querschnitt runden Schwanz unterscheiden. Es sind vorwiegend Pflanzenfresser, die ihre Höhlen in die Uferböschungen graben. Hier am Zachariassee richten sie dadurch keinen Schaden an.

    Austernfischer sind als Küstenvögel jedem Nordseeurlauber bekannt. 1990 brütete hier am Zachariassee das erste Austernfischerpaar im Kreis Soest. Seit dem treffen im März regelmäßig ein oder mehrere Paare hier ein. Sein Lieblingsbrutplatz ist einer der nahen Maisäcker. Nicht immer gelingt es ihm daher, Jungvögel aufzuziehen. Austernfischer haben sich mittlerweile in der Umgebung verteilt. Man trifft in Lippstadt Austernfischer auf dem Golfplatz und sogar fern ab vom Wasser im Gewerbegebiet auf den Schotterflächen. Der auffälligen und lautstarken Vögel hat sich mittlerweile weit im Binnenland verbreitet. [SOUNDcheck]

    Großer Brachvogel. Sein ganz besonderer Flötenruf klingt im Frühjahr weit über die Wiesen. Er ist der Charaktervogel der Feuchtwiesen. Aber gerade die im Frühling überschwemmten Wiesen, auf denen erst spät im Jahr wenige Rinder grasen und die erst im Ende Juni gemäht werden, gibt es nur noch in Naturschutzgebieten. Dieser größte, heimische Watvogel hat es schwer, obwohl - oder gerade weil - er sehr standorttreu ist. Seit mehr als 25 Jahren suchen Große Brachvögel hier im NSG-Zachariassee immer wieder den gleichen Brutplatz auf. Und während überall in der Kulturlandschaft die Wiesen entwässert und mehrmals im Jahr gemäht werden, war es hier im Schutzgebiet besonders wichtig, diese Plätze zu erhalten und für den Großen Brachvogel zu optimieren. [SOUNDcheck]  und [SOUNDcheck]

     Zachariassee: Großer Brachvogel



    Mit Hilfe der Nordrhein-Westfalen-Stiftung für Heimat, Kultur und Naturschutz ist es gelungen, mehr als 10 ha Wiesen im Ostteil des NSG zu kaufen und zu extensivieren - die Brutplätze des Großen Brachvogels gehören dazu. Um diese und weitere bedrohte Vogelarten in der Brutzeit besonders zu schützen, sind Teile der Wege zwischen dem 1.März und dem 31 Juni für die Öffentlichkeit gesperrt. Bitte respektieren Sie diese Einschränkung.

     Beobachtungstipp: Wann kann man Große Brachvögel am besten beobachten? Im Frühling in den späten Nachmittagsstunden kommen sie an das Seeufer zum Baden und zur Gefiederpflege, bevor sie sich wieder auf das Gelege setzen oder ihre Jungen bewachen. Im Spätsommer rasten die Durchzügler einzeln oder in kleinen Gruppen am Ufer der Insel. 

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